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Ernst I. (gen. der Fromme)

Der Gründer des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg

Ernst I. ließ in den Wirren des zu Ende gehenden Dreißigjährigen Krieges auf den Trümmern der Burg Grimmenstein das Schloss Friedenstein errichten. Der von ihm gewählte Name des Schlosses und der Schlussstein über dem der Stadt zugewandten Nordportal mit dem so genannten Friedenskuss stehen heute wieder programmatisch für die Arbeit der Friedenstein Stiftung Gotha.

Deutscher Meister, Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, nach 1668

Ernst I., genannt „der Fromme“, (* 25. Dezember 1601 in Altenburg; † 26. März 1675 in Gotha) stammte aus dem Weimarer Zweig der ernestinischen Wettiner und wurde 1640 nach der Erbteilung des Herzogtums Sachsen-Weimar Herzog von Sachsen-Gotha. Am 24. Oktober 1636 heiratete er die Prinzessin Elisabeth Sophia von Sachsen-Altenburg. Durch den Erwerb großer Teile des Herzogtums Sachsen-Altenburg begründete er 1672 das Haus Sachsen-Gotha-Altenburg.

Ernst I. erscheint als Herrscher des Übergangs. Sein politisches Denken wurzelte in der traditionellen Vorstellung vom Fürsten als landesväterlicher Autorität, weshalb seine Herrschaftspraxis von einem starken patriarchalischen Zug geprägt war. Religion und Kirche blieben wichtige Stützen seiner Politik, die zudem von endzeitlichen Heilserwartungen geprägt war. Zugleich aber setzte er in seinem Fürstenstaat ein straffes Verwaltungsdenken durch, das fast alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens erfasste. Begleitet wurde dieser Staatsbildungsprozess von Reformen im Kirchen- und Schulwesen, dem Ausbau der staatlichen Fürsorge und durch den Erlass von Polizeiordnungen. Die Regelung des religiösen und weltlichen Lebenswandels der Untertanen griff mit verschiedenen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Kleiderordnung, sogar in die Privatsphäre der Bevölkerung ein.

Vorbildcharakter erhielt diese Staatsbildung vor allem, seit Veit Ludwig von Seckendorff 1656 den deutschen „Fürstenstaat“ im Auftrag Ernsts I. in einem Traktat publik machte. Bis heute ist der „Modellstaat“ Ernsts I., das kleine Herzogtum Sachsen-Gotha, ein Begriff.

22.06.20, Gotha: EFRE gefördetes Projekt Sanierung Schloss Friedenstein. Foto: Candy Welz

Bildung und Reformen als Grundlagen für den Musterstaat

Ernst I. plante den Aufbau eines leistungsfähigen, praxisorientierten Schulwesens auf christlicher Grundlage. Damit sollten die Voraussetzungen für die Ausbildung von geeignetem Fachpersonal für die Staatsverwaltung geschaffen werden. Vor allem für die Organisation der Verwaltung benötigte Ernst I. mehr Personal mit entsprechenden juristischen, politischen und staatswissenschaftlichen Kenntnissen.

Neben der Gründung des Gothaer Gymnasiums (1524) wurde die allgemeine Grundbildung durch den „Schulmethodus“ (1641) gefördert, der als erste eigenständige, von der Kirche unabhängige Schulordnung das Elementarschulwesen institutionalisierte. Es folgte die Einführung der allgemeinen Schulpflicht für Kinder von fünf bis zwölf Jahren (1642).

Der Innenhof von Schloss Friedenstein, Foto Boris Hajdukovic
Schloss Friedenstein, Foto: Candy Welz, Gotha: EFRE gefördetes Projekt Sanierung Schloss Friedenstein. Foto: Candy Welz

Schloss Friedenstein

Als Regierungssitz ließ Ernst I. von 1643 bis 1654 das Schloss Friedenstein in Gotha errichten. Der frühbarocke Bau zählt zu den größten Schlossneubauten in Deutschland zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Der monumentale Bau beherbergte neben den Wohn- und Repräsentationsräumen der herzoglichen Familie alle zentralen Behörden der fürstlichen Landesherrschaft. Weiterhin waren hier die Münzstätte, die Schmiede, das Zeughaus, der Marstall, das Archiv und die Schlosskirche untergebracht. Das Gebäude war von Anfang an so groß konzipiert, dass in den folgenden Jahren keine wesentlichen Veränderungen oder Erweiterungen vorgenommen wurden. Die ursprüngliche Bausubstanz ist bis heute erhalten geblieben.

Der Friedenskuss

Geprägt von den Erlebnissen des Dreißigjährigen Krieges ließ Ernst I. 1650, nach Kriegsende, über dem Hauptportal des Schlosses einen Schmuckstein anbringen, den sogenannten Friedenskuss. Die Personifikationen von Pax (Friede) und Justitia (Gerechtigkeit) umarmen und küssen einander. Über ihnen befindet sich die Umschrift: Friede Ernehret Unfriede Verzehret. Dieser Leitspruch prägt seitdem die Haltung und Politik auf dem Friedenstein.