Die Ausstellung
Die große Sonderausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ befasst sich mit dem wohl prägendsten Jahr im Leben des berühmten holländischen Künstlers. Obwohl Rembrandt zu den meisterforschten Künstlern des 17. Jahrhunderts zählt, bleiben manche Aspekte seines Schaffens im Dunkeln. Das betrifft auch die Zeit um 1632, die sowohl stilistisch als auch biographisch durch Umbrüche geprägt ist.
Erste monographische Rembrandt-Ausstellung in Thüringen
25 Leihgeber aus sieben Ländern stellen für die Schau 44 Leihgaben zur Verfügung. Rund 12 Arbeiten werden aus der Gemäldesammlung sowie 30 Radierungen aus dem Grafischen Kabinett der Friedenstein Stiftung Gotha zu sehen sein.
Wichtige Arbeiten sind erstmalig gemeinsam in der Ausstellung zu sehen und werden einander gegenüber gestellt.
Ziel der Ausstellung ist es, zentrale Werke dieses Jahres in ihren künstlerischen und historischen Kontext zu stellen. Varianten, Kopien und Werkstattarbeiten werden im direkten Vergleich gezeigt, um stilistische Entwicklungen und Produktionsweisen sichtbar zu machen. Kunsttechnologische Analysen eröffnen neue Einblicke und laden zur vertieften wissenschaftlichen Auseinandersetzung ein.
Die Ausstellung ist in Kooperation mit Hessen Kassel Heritage entstanden, wo sie in anderer Form zuvor gezeigt wird (7. Mai bis zum 9. August 2026, Schloss Wilhemshöhe) .
Rembrandt auf dem Friedenstein
Die Sammlungen in Gotha blicken auf eine lange fürstliche Tradition zurück, in der die niederländische Malerei von Anfang an einen wichtigen Stellenwert hatte. Die Gemälde, die in der Vergangenheit Rembrandt zugeschrieben worden sind, werden heute anders bewertet und in den Umkreis oder die Nachfolge verwiesen. In der Ausstellung werden sie zusammen mit dem umfangreichen Bestand an Originalgrafik zu sehen sein.
Werkstatt? Oder doch ein echter Rembrandt? Der „Bärtige alte Mann“ wurde im 19. Jahrhundert in Paris erworben und lange Zeit dem Rembrandtschüler Ferdinand Bol zugeschrieben, später dann Jan Lievens, bzw. in die Nachfolge des Meisters eingeordnet. Restaurierungen und neue kunsttechnologische Untersuchungen haben inzwischen zu einer Neubewertung geführt.
Möglicherweise handelt es sich um eine frühe Ölstudie Rembrandts selbst oder seiner Werkstatt, die eng mit einer signierten Fassung von 1632 im Fogg Art Museum in Cambridge (USA) zusammenhängt.
Die Friedenstein Stiftung Gotha
blickt mit dem heute im Kupferstichkabinett
bewahrten Bestand
Rembrandtscher Druckgrafiken
auf eine wechselvolle, über 375
Jahre währende Geschichte zurück.
Die ersten Blätter wurden
bereits unter Ernst I. von Sachsen-
Gotha-Altenburg (1601–1675),
genannt der Fromme, noch zu
Lebzeiten von Rembrandt erworben.
Damit gehört die Sammlung
zu den weltweit ältesten, historisch
gewachsenen Rembrandt-
Kollektionen überhaupt.
„Die Frage, ob Rembrandt selbst am Gemälde beteiligt war oder nicht, ist schwierig zu beantworten, vielleicht lässt sie sich auch nie beantworten. Interessanter ist doch zu zeigen, wie dicht letztendlich das Netz um Rembrandt herum ist!“
Dr. Timo Trümper Direktor Wissenschaft und Sammlungen Friedenstein Stiftung Gotha
Auf rund 450 Quadratmetern beleuchtet die Ausstellung zentrale Facetten von Rembrandts Leben und Schaffen – von seinen Anfängen in Leiden über das Schlüsseljahr 1632, dem Aufstieg zum gefragten Porträtmaler, bis hin
zu Rembrandt-Produkten der Gegenwart.
Digitale, teils interaktive Medienstationen vertiefen die Inhalte. Im „Rembrandt-Labor“ können Besuchende selbst forschend tätig werden, während in einem separaten Kabinett ein rekonstruiertes Maleratelier Einblicke in die Arbeitsweise eines Künstlers der frühen Neuzeit vermittelt.
2 Fragen an die Kuratoren
Im Titel heißt es ‚Entstehung einer Marke‘. Das klingt sehr modern. Betrieb Rembrandt damals schon bewusst Marketing?
Dr. Justus Lange: Das Markenrecht, wie wir es heute kennen, existierte in dem Sinne im 17. Jahrhundert natürlich noch nicht. Aber es entsteht eben doch eine Marke: Bis 1632 signierte er mit „RHL“, das heißt Rembrandt Harmensz. aus Leiden, ab Ende des Jahres nur noch mit seinem Namen – und nur seinem Vornamen. Das spricht von einem großen Selbstbewusstsein. Er stellt sich damit in die Tradition der großen Meister der Hochrenaissance, die alle mit ihrem Vornamen signieren: Raffael, Michelangelo, Tizian.
Warum ist Rembrandt auch nach 400 Jahren immer noch kein alter Hut?
Dr. Timo Trümper: Die Werke von ihm sind ungeheuer modern, weil sie Fragen stellen, mit denen wir uns auch heute beschäftigen: der individuelle Kult um ein Selbstbildnis – damals auf der Leinwand, heute mit Selfies in den sozialen Medien. Das macht es für die heutigen Betrachtenden leicht, mit den Werken in einen Dialog zu treten. Man hat das Gefühl mit Personen von vor 400 Jahren auf Tuchfühlung gehen zu können.
Öffnungszeiten und Eintritt
Wann:
5. September 2026 bis 6. Dezember 2026
Sonderöffnungszeiten:
Dienstag bis Donnerstag: 10 bis 17 Uhr
Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen, an Feiertagen geöffnet
Eintritt:
12 Euro (ermäßigt 6 Euro)
Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre haben freien Eintritt.
Wo:
Herzogliches Museum Gotha, Ausstellungshalle
Schlossplatz 2, 99867 Gotha
Tel.: 03621 8234-0
service@friedenstein-stiftung.de
Zur Ausstellung sind ein Katalog und ein Magazin erschienen.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des hessischen und des thüringischen Ministerpräsidenten.